Delkredere
Das Delkredere ist eine Wertberichtigung auf deinen offenen Kundenforderungen. Es bildet das Risiko ab, dass ein Teil davon nicht bezahlt wird.
Es entsteht auf zwei Arten: als Einzeldelkredere für eine konkret gefährdete Forderung und als Pauschaldelkredere in Prozent des übrigen Bestands.
Verwendet wird es, damit die Bilanz die Forderungen nicht zu hoch ausweist und der drohende Verlust im richtigen Jahr im Ergebnis erscheint.
Art. 960a Abs. 3 OR verlangt solche Wertberichtigungen. Steuerlich werden pauschal meist 5 Prozent auf Inland- und 10 Prozent auf Auslandforderungen akzeptiert. Die Mehrwertsteuer korrigierst du aber erst beim tatsächlichen Verlust.
Kennst du das Gefühl, wenn eine Rechnung schon dreimal gemahnt ist und du langsam ahnst, dass da nichts mehr kommt? Genau für diese Fälle gibt es das Delkredere. Es zeigt in der Bilanz, dass ein Teil deiner offenen Forderungen wohl nie zu Geld wird. Schauen wir uns an, wie du es berechnest, buchst und vom echten Debitorenverlust unterscheidest.
Das Delkredere ist eine Wertberichtigung auf deinen offenen Kundenforderungen. Es berücksichtigt, dass erfahrungsgemäss ein Teil davon nie bezahlt wird, und sorgt dafür, dass deine Bilanz die Forderungen nicht zu optimistisch ausweist.
Was ist ein Delkredere?
Am Jahresende stehen deine offenen Rechnungen als Debitoren in der Bilanz. Nur: Ganz sicher ist dieses Geld nicht. Eine Kundin steckt in Zahlungsschwierigkeiten, eine andere reagiert seit Monaten nicht. Würdest du alle Forderungen zum vollen Betrag stehen lassen, wäre deine Bilanz zu schön.
Genau das verhindert das Delkredere. Es ist ein Minusposten, der direkt von den Forderungen abgezogen wird, und im Schweizer KMU-Kontenrahmen trägt es die Nummer 1109. Übrig bleibt der Betrag, mit dem du realistisch rechnen kannst. Art. 960a Abs. 3 OR verlangt genau das: Zeigt sich ein Wertverlust, musst du ihn durch eine Wertberichtigung berücksichtigen.
Der Name kommt aus dem Italienischen, «del credere» heisst so viel wie «des Glaubens». Gemeint ist das Vertrauen darauf, dass eine Kundin zahlt, und eben das Risiko, dass sie es nicht tut.
Einzeldelkredere und Pauschaldelkredere
In der Praxis arbeitest du mit zwei Bausteinen, die sich ergänzen:
Einzeldelkredere: für eine konkret gefährdete Forderung, etwa wenn eine Kundin in Konkurs geht oder trotz Betreibung nichts zahlt. Du beurteilst diese eine Rechnung einzeln und berichtigst sie ganz oder teilweise.
Pauschaldelkredere: für das allgemeine Restrisiko auf allen übrigen Forderungen. Es wird als Prozentsatz des Bestands gerechnet, ohne dass du jede Rechnung einzeln prüfst.
Wichtig ist die Reihenfolge: Zuerst nimmst du die gefährdeten Forderungen einzeln heraus, dann rechnest du die Pauschale nur noch auf dem Rest. Sonst berichtigst du dieselbe Rechnung zweimal.
Wie hoch darf das Delkredere sein?
Handelsrechtlich gilt: so hoch, wie es dem tatsächlichen Risiko entspricht. Steuerlich ist die Praxis grosszügiger und vor allem einfacher. Für die direkte Bundessteuer und in den meisten Kantonen wird ein Pauschaldelkredere von 5 Prozent auf inländischen und 10 Prozent auf ausländischen Forderungen ohne weiteren Nachweis akzeptiert. Grundlage dafür ist Art. 29 Abs. 1 lit. b DBG, der Rückstellungen für Verlustrisiken auf Debitoren erlaubt.
Diese Prozentsätze sind eine Vereinfachung, keine Pflicht. Ist dein reales Ausfallrisiko tiefer, entsteht durch die Pauschale eine stille Reserve. Das ist in der Schweiz zulässig. Ist dein Risiko höher, musst du mehr berichtigen, dann willst du die Höhe aber begründen können. Und schau vorher, was in deinem Kanton üblich ist, die Praxis unterscheidet sich.
So buchst du das Delkredere
Gebucht wird über zwei Konten: 1109 Delkredere auf der Aktivseite als Minusposten und 3805 Verluste Forderungen, Veränderung Delkredere auf der Erfolgsseite. Erhöhst du das Delkredere, lautet der Buchungssatz 3805 an 1109, reduzierst du es, läuft die Buchung umgekehrt.
Der Punkt, den man beim ersten Mal gerne verpasst: Gebucht wird nur die Veränderung. Das Delkredere ist ein Bestand, der über die Jahre stehen bleibt. Lag es letztes Jahr bei CHF 6’000 und braucht es dieses Jahr CHF 8’500, buchst du nur die Differenz von CHF 2’500. Klingt komplizierter, als es ist.
Beispiel
Am 31. Dezember hast du offene Forderungen von CHF 62’000, alle im Inland. Eine Kundin mit einer Rechnung über CHF 12’000 steckt in Zahlungsschwierigkeiten, du rechnest dort mit der Hälfte. Das ergibt ein Einzeldelkredere von CHF 6’000.
Für die übrigen CHF 50’000 setzt du das Pauschaldelkredere von 5 Prozent an, also CHF 2’500. Zusammen sind das CHF 8’500. In der Bilanz erscheinen deine Forderungen damit noch mit CHF 53’500.

Stand das Delkredere im Vorjahr bei CHF 6’000, buchst du jetzt CHF 2’500 als Erhöhung: 3805 Verluste Forderungen an 1109 Delkredere. Fällt das Risiko im nächsten Jahr weg, löst du den Bestand in gleicher Weise wieder auf.
Delkredere oder Debitorenverlust?
Diese beiden werden oft verwechselt, dabei ist der Unterschied simpel: Das Delkredere ist der erwartete Verlust, der Debitorenverlust der eingetretene. Solange nur ein Risiko besteht, bleibt die Forderung in der Bilanz und wird bloss wertberichtigt. Steht der Ausfall fest, etwa durch einen Konkurs oder eine erfolglose Betreibung, buchst du die Forderung aus.

Ebenfalls kein Fall fürs Delkredere ist eine Rechnung, die inhaltlich falsch war. Wenn du zu viel, zu wenig oder die falsche Leistung verrechnet hast, ist das kein Zahlungsausfall, sondern ein Fehler, den du mit einer Korrektur oder einer Stornorechnung aus der Welt schaffst.
Auch von den Rückstellungen ist das Delkredere zu trennen: Rückstellungen stehen auf der Passivseite für Verpflichtungen, die auf dich zukommen. Das Delkredere korrigiert dagegen ein Aktivum, nämlich deine Forderungen.
Delkredere und Mehrwertsteuer
Hier lohnt sich ein genauer Blick. Wenn du nach vereinbarten Entgelten abrechnest, lieferst du die Mehrwertsteuer bereits mit der Rechnungsstellung ab, also lange bevor das Geld da ist. Bleibt die Rechnung offen, hast du die MWST auf einem Umsatz bezahlt, den du nie erhalten hast.
Zurückholen kannst du sie aber erst, wenn der Verlust definitiv ist. Dann gilt der Debitorenverlust nach Art. 41 MWSTG als Entgeltsminderung und du korrigierst die Steuer in der Abrechnung. Die blosse Bildung eines Delkredere reicht dafür nicht, sie ist rein buchhalterisch und für die MWST ohne Wirkung.
Wenn aus dem Risiko ein Verlust wird
Ein Delkredere ist kein Ersatz für Nachfassen. Die beste Wertberichtigung ist die, die du gar nie brauchst. Wer offene Rechnungen im Blick behält und konsequent mahnt, hat am Jahresende weniger gefährdete Forderungen auf der Liste.
Für mich persönlich hat sich bewährt, die offenen Posten einmal im Quartal durchzugehen statt erst beim Abschluss. Dann siehst du früh, welche Kundin regelmässig spät zahlt, und das Delkredere am Jahresende ist nur noch die Bestätigung von etwas, das du längst kommen gesehen hast.
Delkredere in MILKEE
Die Grundlage für dein Delkredere ist eine saubere Liste der offenen Posten. In MILKEE siehst du jederzeit, welche offenen Rechnungen noch ausstehen und wie lange schon. Damit hast du beim Abschluss genau die Zahlen vor dir, die du für Einzel- und Pauschaldelkredere brauchst.
Die Wertberichtigung selbst erfasst du als normale Buchung auf die Konten 1109 und 3805. Weil deine Buchhaltungssoftware für die Schweiz mit dem KMU-Kontenrahmen arbeitet, sind beide Konten bereits angelegt und der Minusposten erscheint automatisch an der richtigen Stelle in der Bilanz.
🖼️ Bild-Platzhalter: MILKEE-Screenshot der Liste offener Rechnungen mit Fälligkeiten als Grundlage für die Berechnung vom Delkredere, violette Akzente #6556EB, Alt-Text mit Keyword «Delkredere».
Fazit
Das Delkredere ist die ehrliche Antwort auf eine unbequeme Wahrheit: Nicht jede Rechnung wird bezahlt. Es besteht aus dem Einzeldelkredere für konkret gefährdete Forderungen und dem Pauschaldelkredere für das Restrisiko, wird auf dem Konto 1109 geführt und über das Konto 3805 verändert.
Wichtig bleibt die Trennung zum Debitorenverlust: Das Delkredere ist der erwartete Verlust, der Debitorenverlust der eingetretene. Und erst beim eingetretenen Verlust holst du dir die Mehrwertsteuer zurück.