EBIT, EBITDA und EBT einfach erklärt
EBIT, EBITDA und EBT sind Zwischenstufen der Erfolgsrechnung. Jede Stufe zieht auf dem Weg vom Nettoerlös zum Jahresgewinn eine weitere Aufwandsart ab.
Sie entstehen ohne Zusatzrechnung, einfach durch die Reihenfolge der Positionen: Das EBITDA steht nach Personal- und übrigem Betriebsaufwand, das EBIT nach den Abschreibungen, das EBT nach dem Finanzergebnis und den ausserordentlichen Posten.
Verwendet werden sie, um zu sehen, wo dein Gewinn entsteht oder verloren geht: ob dein Tagesgeschäft trägt, ob du zusätzlich den Wertverzehr deiner Anlagen verkraftest und was dich die Finanzierung kostet.
Im Schweizer Recht kommen die drei Begriffe nicht vor. Art. 959b OR schreibt nur die Mindestgliederung der Erfolgsrechnung vor. Der wichtigste Haken: Das EBITDA blendet die Abschreibungen aus und lässt investitionsintensive Firmen besser aussehen, als sie sind.
Ich mache gerade die Ausbildung zum Sachbearbeiter Rechnungswesen, und ein Thema ist mir dabei richtig hängengeblieben: die Stufen der Erfolgsrechnung. EBITDA, EBIT und EBT kannte ich vorher vor allem aus Artikeln über Grosskonzerne, wo sie eher nach Analysten-Jargon klingen als nach etwas, das eine kleine GmbH betrifft.
Was ich nicht gesehen hatte: Es sind schlicht Zwischenstände auf dem Weg von deinem Umsatz zum Gewinn. Und weil jede Stufe genau eine Sorte Aufwand abzieht, beantwortet jede eine andere Frage darüber, wie deine Firma läuft. Schauen wir uns an, welcher Abschnitt der Erfolgsrechnung zu welcher Stufe gehört.
Was sind EBIT, EBITDA und EBT?
EBIT, EBITDA und EBT sind Kennzahlen, die aus der Erfolgsrechnung abgelesen werden. Sie stehen für Zwischensummen: Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und Ergebnis vor Steuern (EBT).
Der Trick besteht darin, die Erfolgsrechnung nicht als Liste von Konten zu lesen, sondern als Treppe. Ganz oben steht dein Umsatz, ganz unten der Jahresgewinn. Dazwischen liegen die Aufwandsarten in einer festen Reihenfolge, und nach jeder Gruppe kannst du einen Strich ziehen.
Die Reihenfolge ist nicht zufällig. Sie geht von «hat direkt mit deinem Tagesgeschäft zu tun» zu «hat mit Finanzierung, Sondereffekten und Steuern zu tun». Je weiter unten du bist, desto mehr Einflüsse sind eingerechnet, die mit deiner eigentlichen Leistung nichts zu tun haben.
Die Mindestgliederung nach Art. 959b OR
Die drei Abkürzungen selbst stehen nicht im Gesetz. Was das OR vorschreibt, ist die Mindestgliederung der Erfolgsrechnung. Für die Produktionserfolgsrechnung, also das Gesamtkostenverfahren, das die meisten Schweizer KMU fahren, listet Art. 959b OR der Reihe nach auf:
Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen
Bestandesänderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie an nicht fakturierten Dienstleistungen
Materialaufwand
Personalaufwand
Übriger betrieblicher Aufwand
Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens
Finanzaufwand und Finanzertrag
Betriebsfremder Aufwand und betriebsfremder Ertrag
Ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag
Direkte Steuern
Jahresgewinn oder Jahresverlust
Und genau hier liegt der Punkt: Die Kennzahlen sitzen exakt in den Lücken dieser Liste. Vor Position 6 endet das EBITDA. Nach Position 6 steht das EBIT. Nach den Positionen 7 bis 9 steht das EBT. Nach Position 10 bleibt der Jahresgewinn. Du musst also nichts zusätzlich rechnen, du musst nur wissen, wo du den Strich ziehst.
Welcher Abschnitt gehört zu welcher Stufe
Legt man die Kontoklassen aus dem Schweizer KMU-Kontenrahmen daneben, wird die Zuordnung sehr konkret:
Stufe | Was auf dieser Stufe neu abgezogen wird | Kontoklassen |
Nettoerlös | Ausgangspunkt: dein Umsatz aus Lieferungen und Leistungen | Klasse 3 |
Bruttogewinn | Material, Handelswaren und Drittleistungen | Klasse 4 |
EBITDA | Personalaufwand und übriger Betriebsaufwand | Klasse 5, Klasse 60 bis 67 |
EBIT | Abschreibungen und Wertberichtigungen | Klasse 68 |
EBT | Finanzergebnis sowie betriebsfremde und ausserordentliche Posten | Klasse 69, Klasse 80 und 85 |
Jahresgewinn | Direkte Steuern | Klasse 89 |
Vor den drei Kennzahlen liegt noch der Bruttogewinn, also Nettoerlös minus Materialaufwand. Für Händlerinnen ist das die kritische Stufe, denn was hier fehlt, holt weiter unten niemand mehr auf. Für reine Dienstleister ist der Bruttogewinn dagegen fast identisch mit dem Umsatz.
EBITDA: trägt sich dein Tagesgeschäft?
EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization, also für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Vom Bruttogewinn abgezogen werden dafür der Personalaufwand der Klasse 5 und der übrige Betriebsaufwand der Klassen 60 bis 67, also Miete, Fahrzeuge, Versicherungen, Energie, Verwaltung, Informatik und Werbung. Was bewusst noch nicht abgezogen wird, sind die Abschreibungen.
Die Frage, die das EBITDA beantwortet, lautet: Wirft dein Tagesgeschäft überhaupt Geld ab, bevor Investitionen, Finanzierung und Steuern ins Spiel kommen? Ist das EBITDA negativ, hast du kein Bewertungsproblem, sondern ein Problem mit dem Geschäftsmodell.
Das EBITDA kommt einem operativen Cashflow nahe, weil Abschreibungen nicht zahlungswirksam sind. Dasselbe ist es aber nicht: Veränderungen bei Debitoren, Kreditoren und Lager stecken nicht drin, und genau die entscheiden oft darüber, ob am Monatsende wirklich Geld auf dem Konto liegt.
EBIT: das Betriebsergebnis
Ziehst du zusätzlich die Abschreibungen und Wertberichtigungen auf dem Anlagevermögen ab, also die Klasse 68, landest du beim EBIT. Auf Deutsch beim Betriebsergebnis, dem Ergebnis vor Zinsen und Steuern.
Abschreibungen fühlen sich beim ersten Kontakt wie ein Buchhaltungstrick an, weil kein Geld abfliesst. Sie bilden aber etwas sehr Reales ab: Der Lieferwagen nutzt sich ab, der Laptop wird langsamer, die Maschine geht irgendwann kaputt. Diesen Wertverzehr über die Nutzungsdauer zu verteilen, ist kein Trick, sondern der Versuch, den Aufwand dorthin zu buchen, wo er entsteht.
Das EBIT ist deshalb die Zahl, mit der Firmen verglichen werden. Es blendet aus, wie ein Unternehmen finanziert ist und wo es Steuern zahlt, und zeigt nur, was der Betrieb selbst erwirtschaftet.
EBT: was die Finanzierung kostet
Beim EBT, dem Ergebnis vor Steuern, kommt dazu, was nicht zum eigentlichen Betrieb gehört. Zuerst das Finanzergebnis der Klasse 69: Zinsen auf Darlehen oder Kontokorrent, Bankspesen, Kursdifferenzen, auf der Gegenseite Zinserträge.
Dazu kommen die betriebsfremden Posten der Klasse 80 und die ausserordentlichen, einmaligen oder periodenfremden Posten der Klasse 85. Also etwa der Gewinn aus dem Verkauf einer Maschine oder eine Nachzahlung, die eigentlich ins letzte Jahr gehört hätte.
Der Abstand zwischen EBIT und EBT ist damit sehr aufschlussreich. Zwei Firmen können ein identisches EBIT haben, und trotzdem steht die eine am Ende deutlich besser da, weil sie schuldenfrei ist und die andere jeden Monat Zinsen bedient. Klaffen EBIT und EBT weit auseinander, liegt das Problem nicht im Betrieb, sondern in der Bilanz.
Vom EBT gehen zuletzt noch die direkten Steuern der Klasse 89 ab, und übrig bleibt der Jahresgewinn. Bei einer Einzelfirma bleibt diese Klasse in der Regel leer, weil die Steuern privat anfallen. Dort fallen EBT und Jahresgewinn zusammen.
Beispiel: von CHF 480’000 Umsatz zum Jahresgewinn
Nehmen wir eine kleine GmbH mit einem Umsatz von CHF 480’000, zwei Angestellten, einem gekauften Lieferwagen und einem Bankkredit. So sieht ihre Treppe aus:

Die vier Zwischensummen erzählen zusammen eine Geschichte, die keine einzelne Zahl erzählen könnte:
Das EBITDA von CHF 72’000 entspricht einer Marge von 15 Prozent. Das Tagesgeschäft trägt sich also klar.
Zwischen EBITDA und EBIT liegen CHF 24’000 Abschreibungen. Die Firma hat Anlagen, die sie erneuern muss, und dieser Wertverzehr frisst ein Drittel des operativen Ergebnisses.
Zwischen EBIT und EBT liegen nur CHF 6’000. Die Finanzierung ist günstig und kein Problem.
Vom EBIT bis zum Jahresgewinn gehen rund 30 Prozent verloren. Nichts Ungewöhnliches, aber gut zu wissen, bevor du den Gewinn verplanst.
Verkürzt beantwortet der Bruttogewinn die Frage nach deiner Kalkulation, das EBITDA die Frage nach deinem Geschäftsmodell, das EBIT die Frage nach deinen Anlagen, das EBT die Frage nach deiner Finanzierung und der Jahresgewinn die Frage, was am Schluss wirklich übrig bleibt.
Wo die Abgrenzung unscharf wird
Ganz glasklar ist die Sache nicht. Die Klasse 7, der betriebliche Nebenerfolg, wird in der Praxis meist noch zum Betriebsergebnis gezählt, die Klassen 80 und 85 dagegen unterhalb des EBIT eingeordnet. Verbindlich vorgeschrieben ist diese Aufteilung nirgends, weil das OR die Kennzahlen ja gar nicht kennt.
Dazu kommt eine Schweizer Besonderheit: Art. 960a Abs. 4 OR erlaubt zusätzliche Abschreibungen und Wertberichtigungen zu Wiederbeschaffungszwecken. Damit entstehen stille Reserven, und die drücken das EBIT, ohne dass operativ irgendetwas schlechter geworden wäre.
Auch das EBITDA hat seine Tücken. Am deutlichsten wird das beim Vergleich von Kauf und Leasing: Kaufst du den Lieferwagen, landet der Aufwand in den Abschreibungen der Klasse 68 und drückt erst das EBIT. Least du ihn, landet die Leasingrate im übrigen Betriebsaufwand der Klasse 61 und drückt bereits das EBITDA. Wirtschaftlich machst du fast dasselbe, auf der EBITDA-Stufe sehen die beiden Firmen aber völlig unterschiedlich aus.
Praktisch heisst das: Vergleiche zwischen zwei Firmen sind nur dann fair, wenn beide gleich gerechnet und ähnlich bewertet haben. Innerhalb deiner eigenen Firma über mehrere Jahre ist der Vergleich dagegen sehr aussagekräftig, solange du deine Bewertungspraxis nicht änderst.
EBIT, EBITDA und EBT in MILKEE
In MILKEE ist der Kontenplan von Anfang an nach dem Schweizer KMU-Standard aufgebaut. Wenn du deine Buchhaltung führst, stehen die Klassen in genau der Reihenfolge, die du für die Treppe brauchst, und du kannst die Erfolgsrechnung jederzeit abrufen statt erst beim Jahresabschluss.
Zwei Dinge helfen dir dabei, die Stufen überhaupt ablesen zu können: Halte dich an den Kontenrahmen, statt alles auf ein Sammelkonto «Diverser Aufwand» zu buchen, sonst lassen sich EBITDA und EBIT nicht mehr trennen. Und verbuche Abschreibungen nicht erst am Jahresende, sonst sind die beiden Stufen unterjährig identisch und dein Ergebnis sieht besser aus, als es ist.
Fazit
EBIT, EBITDA und EBT sind keine Analysten-Spielerei, sondern die Zwischenstände deiner eigenen Erfolgsrechnung. Das EBITDA zeigt, ob dein Geschäftsmodell taugt, das EBIT, ob du den Wertverzehr deiner Anlagen trägst, das EBT, ob du zusätzlich deine Finanzierung trägst.
Für mich war das in der Ausbildung der Moment, in dem die Erfolgsrechnung von einer Pflichtübung zu einem nützlichen Werkzeug wurde. Die vier Zahlen kosten dich keine Minute Mehraufwand, wenn deine Buchhaltung sauber geführt ist, beantworten aber Fragen, die eine einzelne Gewinnzahl nie beantworten könnte.